Gordischer Knoten: Kann das Salzburger Verkehrsproblem gelöst werden? Blick auf die Zukunft des Salzburger Verkehrs

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Er begleitet viele Salzburger jeden Tag und sorgt meist nicht gerade für Jubelschreie: Der Salzburger Verkehr. Für viele ist es ein leidiges Thema. Sie verbinden damit hauptsächlich Stau, Abgase, Lärm und nichts als Ärger. Das Verkehrsproblem erscheint wie ein gordischer Knoten, die Lösung schier unmöglich. Salzburger Verkehrsexperten sehen das anders: Nicht die Lösungen fehlen, sondern der Wille. Wir blicken zurück, was sich hier in den letzten zehn Jahren verändert bzw. nicht verändert hat und wagen einen Blick in die Zukunft: Wie könnte Mobilität künftig in Salzburg aussehen?

„Stauhauptstadt“ oder „Stauhotspot Österreichs“ sind zwei unrühmliche Titel, die Salzburg in Sachen Verkehr vorauseilen. Dass man diese Bezeichnung auch verdient, davon können Salzburger Autofahrer und Öffi-Nutzer ein Lied singen.

Wir haben Salzburger gefragt, was sie sich für die Zukunft des Verkehrs wünschen:

Zu viele Autos auf zu wenig Verkehrsfläche

Bisherige Maßnahmen der Politik haben nur wenig zu einer Besserung beigetragen: Die Schlechtwettersperre hilft, trotzdem staut es. Man baut Park-and-Ride-Parkplätze, doch die Anbindung an die Öffis ist den meisten zu unzuverlässig. Man dreht sich im Kreis. Das Problem ist für Peter Haibach von der Salzburger Verkehrsplattform „Forum Mobil“ schnell gefunden: „Es sind schlicht zu viele Autos in der Stadt.“

Die Statistik gibt Haibach recht. Laut Salzburger Zahlenspiegel gab es 2016 in Salzburg 413.000 Kraftfahrzeuge, rund 303.000 davon sind Pkw und im Schnitt hat jeder zweite Salzburger ein Auto. Zehn Jahre zuvor waren in Salzburg 350.000 Fahrzeuge zugelassen, davon waren 261.000 Autos.

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„Kein großer Wurf in den letzten zehn Jahren“

Haibach beschäftigt sich seit über 30 Jahren mit dem Salzburger Verkehr. Für die letzten zehn Jahre zieht er eine negative Bilanz: „Das einzig Positive ist, dass der öffentliche Verkehr nicht schlechter geworden ist. In den letzten zehn Jahren hat es von der Politik aber keinen großen Wurf mehr gegeben.“

Zuvor sei allerdings einiges weitergegangen: Die S-Bahn wurde eingeführt, der Salzburger Verkehrsverbund gegründet und die Lokalbahn ausgebaut. Dazu muss man ins Jahr 1992 zurückblicken. Auf jene Zeit, die Haibach die „Ära Gasteiger“ nennt.

Der damalige Verkehrsreferent des Landes Salzburg und spätere Vorstand der Salzburg AG, Arno Gasteiger, gab dem öffentlichen Verkehr Vorfahrt: „Unser Regierungsbeschluss besagte, dass bei allen Maßnahmen der öffentliche Verkehr Vorrang haben muss vor dem Individualverkehr. Weil gerade in der Stadt Verkehrsprobleme mit dem Auto nicht lösbar sind“, erklärt Gasteiger. Die Verkehrspolitik der letzten zehn Jahre habe das versäumt.

Miteinander der Mobilitätsformen verschlafen

Autos gehören in Salzburg zum Stadtbild wie die Festung und der Mönchsberg. Kein Tag vergeht ohne Stau, die Stickoxidwerte sind dauerhaft hoch, die Lärmbelastung ebenso. Deutlich hörbar ist dies auf der Terrasse des Café Wernbacher, wo Günther Penetzdorfer jedes Mal die Stimme erhebt, wenn auf der Franz-Josef Straße ein Auto vorbeibraust. „Wir haben eine Entwicklung hinter uns, in der die Automobilität stark gefördert wurde. Mit all ihren Vorteilen – keine Frage – aber da sind wir stecken geblieben“, erläutert der ehemalige Infrastrukturmanager der ÖBB. Er entwickelte die S-Bahnlinien mit. Das bereite uns nun Probleme, weil „wir zu spät für ein Miteinander der Mobilitätsformen eingerichtet haben.“ Integrierte Taktfahrpläne – das habe man in Salzburg seiner Meinung nach versäumt.

„Die Stadt Salzburg hat denkbar schlechte Voraussetzungen für den Autoverkehr. Da sind zum einen die Stadtberge als Hindernis, zum anderen die Salzach. Das macht die Lösung des Problems um einiges schwieriger, als in anderen Städten“, zeigt Gasteiger auf. Niemand wolle einen „Kulturkampf gegen das Auto führen“, wie Haibach sagt. Dass der uneingeschränkte Individualverkehr aber kein Zukunftsmodell sein kann – weder in der Stadt, noch in der Region – darin sind sich alle drei einig. Geht es nach ihnen, soll der öffentliche Raum künftig wieder den Menschen gehören.

„Verkehr hat keine Grenzen“

Mit der geplanten Parkraumbewirtschaftung fängt die Stadt Salzburg bereits an, Räume in der Stadt zu sperren. Gleichzeitig muss man den Menschen aber eine bessere Alternative bieten. Haibach, Penetzdorfer und Gasteiger plädieren für ein integriertes System: Unkompliziertes Wechseln von einem Verkehrsmittel zum nächsten, ohne lange Wartezeiten. Dazu braucht es Taktverdichtungen, Park-and-Ride-Plätze, Bike-and-Ride-Plätze, neue Haltestellen und Zubringersysteme. Dinge, die sich kurzfristig und auch mit kleinem Budget umsetzen ließen, wenn man wolle, sind sich die Experten einig. Und hier kommt das nächste Puzzleteil ins Spiel: Konsens und Zusammenarbeit lauten die Zauberworte. „Es braucht ein Miteinander von Stadt- und Landespolitik, weil Verkehr keine Grenze hat“, ist Penetzdorfer überzeugt.

Salzburg ist Vorreiter beim autonomen Fahren

Auch der technische Fortschritt wird seinen Teil zur Entwicklung der Mobilität in Salzburg beitragen: Digitalisierung, Vernetzung, Elektrifizierung, Nutzen statt Eigentum und autonomes Fahren sind die großen Trends. Und während man in der Verkehrspolitik offensichtlich vieles verschlafen hat, ist Salzburg bei letzterem ganz vorne mit dabei. Ein autonomer Bus kurvt 2016 erstmals durch die Innenstadt, jetzt wird er in Koppl getestet: „Im normalen Straßenverkehr, ohne bauliche Vorkehrungen, mit dem ganzen anderen Verkehr in einem ländlichen Gebiet: So wie wir das in Koppl machen, das ist weltweit fast einzigartig“, erklärt Karl Rehrl. Er beschäftigt sich bei der Forschungsgesellschaft „Salzburg Research“ mit „Digitalisierung im Verkehr“.

Autos, die gänzlich alleine fahren, werden aber wohl noch eine Weile Zukunftsmusik bleiben. „Es hat sich ganz klar gezeigt, dass die Technologie noch nicht so weit ist“, dämpft Rehrl die Erwartungen. Er kann sich vorstellen, dass die autonomen Fahrzeuge im ländlichen Raum als Zubringer zu den Öffis ideal seien. Für die bereits erwähnte Entwicklung weg vom Eigentum hin zum reinen Nutzen von Mobilität seien sie bestens geeignet – fährt es sich im autonomen Auto doch genauso komfortabel, wie im eigenen. Könnte man damit also künftig den Individualverkehr reduzieren, ohne auf Komfort zu verzichten? „Die Gefahr beim automatisierten Fahren besteht darin, dass es so praktisch ist, dass man alleine im Fahrzeug ans Ziel fährt. Damit werden wir wenige Probleme lösen, weil wir noch mehr Fahrzeuge auf der Straße haben. Damit das nicht passiert, müssen öffentliche Hand und Verkehrsbetreiber sich frühzeitig das Know-how schaffen, um das System zukünftig gestalten zu können“, erklärt Rehrl.

Lösung des Verkehrsproblems also in Reichweite?

Glaubt man den Experten, dann ist der gordische Knoten namens Salzburger Verkehr gar nicht so verworren, wie er scheint. Er gleicht eher einem simplen Knopf. Doch anstatt ihn zu öffnen, wird er von den Verantwortlichen immer fester zugezogen, weil sie an verschiedenen Enden ziehen anstatt am gleichen. Und wer weiß? Vielleicht sitzen die Salzburger in Zukunft in ihren autonomen Zubringern und können sich gar nicht mehr vorstellen, wie es sich anfühlt, im Stau zu stehen. Wünschen darf man sich schließlich alles.

So wie sich die Technologie erst noch entsprechend weiterentwickeln muss, um Schritt für Schritt Lösungen für Salzburgs Verkehrsproblem anbieten zu können, setzt auch SALZBURG24 für die Zukunft klar auf Weiterentwicklung. Die fünf Minis mit der Flosse am Dach sind Geschichte, jetzt dient uns ein nicht minder auffälliges E-Auto für Fahrten zu Pressekonferenzen oder Terminen als Transportmittel. Unseren Fokus aber wollen wir in den kommenden Jahren auf die Live-Berichterstattung legen. Das tun wir bereits mit Live-Tickern oder Live-Videos vom Ort des Geschehens aus oder mit Interviews und Gesprächen, die wir live aus unserem neuen, kleinen aber feinen Studio streamen. Mit Kavedo, einem Salzburger Streaming-Unternehmen, das als Startup begonnen und mittlerweile in unseren Redaktionsräumen einen festen Platz hat, haben wir dafür den perfekten Partner gefunden. Diese Art der Liv-Berichterstattung soll euch zum einen noch näher an das Ereignis bringen, zum anderen neue Hintergründe liefern und es euch ermöglichen, tiefer in die Berichterstattung einzutauchen und die Themen selbst zu bewerten. Denn wir sehen uns in erster Linie als Vermittler von Information, nicht als Bewerter derer. Das soll auch weiterhin den sogenannten Qualitätsmedien, von denen die meisten dafür ein entsprechendes Finanzierungkonzept entwickelt und die notwendigen Personalressourcen haben, vorbehalten sein.

Für uns ist eines ganz klar, Information muss gratis und nicht nur für jene zugänglich sein, die es sich leisten können oder wollen. In Zeiten von Facebook, Falschmeldungen und Informationsüberfluss scheint mir dieser Ansatz wichtiger denn je. Unser Beruf unterliegt einem ständigen Wandel, den wir Redakteure vermutlich nur zum Teil beeinflussen können. Wo es tatsächlich hingeht, ob es in Österreich zu einer totalen Amerikanisierung des Journalismus kommen wird, liegt in der Hand der Medienmacher. Salzburgs Medienlandschaft heute ist bunt und bietet den Lesern viele verschiedene Perspektiven, Ansätze und Möglichkeiten des Nachrichtenkonsums – vom staatlichen und privaten Fernsehen über diverse Radiosender bis hin zu den verschiedensten Print- und Onlineprodukten. Und das ist gut so.

Wir sind froh, seit den vergangenen zehn Jahren ein Teil davon zu sein und freuen uns – gemeinsam mit unseren Lesern, mit euch, auf viele weitere Jahre voller spannender Geschichten, interessanter Begegnungen und neuer Entwicklungen.

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