Wie das Hochwasser 2013 Salzburg veränderte Klimawandel macht sich in Salzburg bemerkbar

FMT-Pictures/MW/Archiv

Wochenlanger Dauerregen und kein Ende in Sicht. Das Hochwasser im Jahr 2013 traf das Bundesland Salzburg nicht überraschend. Die Ausmaße hingegen, die das Ereignis schließlich annahm, waren nur schwer absehbar. Letztendlich hat es zu tiefgreifenden Veränderungen im gesamten Land Salzburg geführt, wie nicht zuletzt an den millionenschweren Hochwasserschutzprojekten zu erkennen ist.

Doch der Reihe nach. In der Nacht auf den 2. Juni 2013, ein Sonntag, herrscht im gesamten Bundesland bereits eine angespannte Situation. Der Hydrographische Dienst hält die Pegelstände genau im Auge, die Feuerwehren – wenn nicht bereits im Einsatz – sind in Alarmbereitschaft. Den ersten großen Zwischenfall gibt es dann gleich kurz nach Mitternacht: Nach einem Murenabgang in Taxenbach (Pinzgau) werden zwei Menschen vermisst, die Einsatzkräfte starten umgehend eine Suchaktion. Danach überschlagen sich die Ereignisse regelrecht, aufgrund von Überflutungen und Murenabgängen müssen zahlreiche Straßen im Bundesland gesperrt werden. Der Pinzgau ist gegen Vormittag von der Außenwelt abgeschnitten, einige Gemeinden werden zum Katastrophengebiet erklärt.

In einer interaktiven Karte haben wir hier die Hochwasser-Hotspots vom 2. Juni 2013 für euch dargestellt:

Fünf Brücken in der Stadt Salzburg gesperrt

Spätestens gegen Mittag macht sich das Hochwasser dann auch in der Stadt Salzburg bemerkbar. Hier müssen fünf Brücken gesperrt werden. Im Salzburger Stadtteil Aigen hat Alexandra Rettenbacher mit den Folgen des Dauerregens zu kämpfen, im Gespräch mit SALZBURG24 erzählt sie von ihren Erlebnissen: „Ich habe die Situation natürlich in den Nachrichten mitverfolgt. Gemeinsam mit meiner Nachbarin bin ich an dem Tag immer wieder zur Salzach gegangen, um mir ein Bild von der Lage machen zu können“, so die heute 58-Jährige.

Wasser drückt durch Türrahmen und Fliesen in Keller

Im Stundentakt überprüft Rettenbacher ihren Keller, um, falls nötig, gleich reagieren zu können. Am Nachmittag ist es dann soweit: „Ich habe gesehen, dass an den Schwachstellen im Keller – also am Türrahmen und am Boden – das Wasser direkt durch die Fliesen hindurch gedrückt wurde“, so Rettenbacher. In dem Fall ist es allerdings nicht die Salzach, die bei der 58-Jährigen an die Kellertür klopft, sondern ein durch den Dauerregen angestiegener Grundwasserspiegel, der gegen den gemauerten Keller der Bewohnerin drückt. „Es hat ausgesehen wie eine Quelle, durch die glasklares Wasser in meinen Keller lief. Es ist nicht schnell gegangen, aber konstant“, erinnert sich die Salzburgerin.

„Wir haben nur noch geschöpft, gepumpt und gewischt“

Sofort kümmert sich die damals 54-Jährige darum, Freunde und Verwandte um Hilfe zu fragen: „Die sind zum Glück auch gleich mit Handtüchern und Pumpen angerückt. Im Wechsel haben neun Leute in meinem Keller gearbeitet. Wir haben ständig versucht, das Wasser draußen zu halten, und das über mehrere Stunden hinweg, bis spät in die Nacht. Wir haben nur noch geschöpft, gepumpt und gewischt.“

Hochwasser fordert Todesopfer, 80 Menschen in Oberndorf evakuiert

Im Bundesland Salzburg zeichnet sich gegen Nachmittag ein verheerendes Bild ab: In St. Johann (Pongau) werden drei mit Aufräumarbeiten beschäftigte Arbeiter von einer Mure erwischt und mitgerissen, ein Mann kann später nur noch tot geborgen werden. Auch ein Assistenzeinsatz des Bundesheeres wird angefordert, Einsatzschwerpunkt ist aufgrund abgegangener Muren der Raum Taxenbach. Schlimm trifft es am späten Nachmittag des 2. Juni dann auch noch die Flachgauer Gemeinde Oberndorf. Dort müssen 80 Menschen evakuiert werden, Teile des Ortszentrums werden überflutet. In der Stadt Salzburg zeichnet sich gegen Abend eine leichte Entspannung ab, um 18 Uhr beträgt der Pegelstand der Salzach bei der Staatsbrücke 8,17 Meter, Höchststand war an dem Tag 8,51 Meter. Die Marke des „Jahrhunderthochwassers“ im Jahr 2002 wird damit um 16 Zentimeter überschritten.

Für Alexandra Rettenbacher ist es zu diesem Zeitpunkt noch lange nicht vorbei: „In den Nachrichten ist gegen Abend gemeldet worden, dass der Regen weniger wird. Doch bis sich das auch auf das Grundwasser auswirkt, dauert das natürlich länger.“ Erst in den Morgenstunden des 3. Juni hat sie festgestellt, dass kein weiteres Wasser mehr nachkommt und Zeit für ein paar Stunden Schlaf gefunden. Ich habe mir dennoch zu jeder vollen Stunde den Wecker gestellt, um immer wieder den Keller überprüfen zu können“, erinnert sie sich.

3. Juni: Das große Aufräumen

Der 3. Juni 2013 steht in Salzburg schließlich ganz im Zeichen der Aufräumarbeiten. Der Schwerpunkt des Hochwassers verlagert sich weiter in Richtung Osten Österreichs. An eine Rückkehr zur Normalität ist allerdings noch lange nicht zu denken. Das Bundesheer unterstützt mit hunderten Kräften weiterhin die Feuerwehr und zivile Helfer, es werden immer noch Menschen vermisst, zahlreiche Straßen sind weiterhin unpassierbar. Viele der Schäden werden an diesem Tag erst sichtbar.

„Für mich war es eine Katastrophe“

Auch Frau Rettenbacher kümmert sich tags darauf darum, ihre Kellerräume wieder trocken zu bekommen: „Für ganze drei Wochen habe ich den Keller mit drei Trockengeräten trocknen müssen. Die Feuchtigkeit ist ja in den Wänden drinnen, man sieht es heute noch. Das Wasser ist in der Mauer so etwa 40 Zentimeter aufgestiegen. Dann fällt natürlich auch noch der Verputz ab.“ Dank bestehender Hochwasser-Versicherung hält sich der Schaden bei ihr in Grenzen, was bleibt ist ein mulmiges Gefühl: „Für mich war es in dem Moment eine Katastrophe. Aber ich war natürlich weit nicht so schlimm betroffen wie andere in Salzburg. Familie, Nachbarn und Freunde haben mir geholfen, da bin ich unglaublich dankbar!“

Bilanz zum Hochwasser in Salzburg

Drei Wochen nach dem Hochwasser-Ereignis liegt dem Land Salzburg eine erste Hochrechnung zu den Schäden vor. Zu dem Zeitpunkt wird von 20 Millionen Euro Schaden ausgegangen, für Soforteinsätze bei Ufersicherungen und der Wildbach- und Lawinenverbauung werden weitere elf Millionen Euro benötigt. Die Schäden in Zahlen:

  • Anzahl gemeldeter Schäden: 590
  • Schadensart: 185 Gebäudeschäden, 40 Firmen, 95 Wege, 270 Landwirtschaft
  • Gelder für Soforteinsätze: 3,55 Millionen Euro
  • Gelder für Sicherungsarbeiten WLV und Bundeswasserbau: elf Millionen Euro

Hochwasserschutzprojekte werden im ganzen Land umgesetzt

Seit dem Ereignis im Jahr 2013 hat sich beim Hochwasserschutz im Bundesland Salzburg einiges getan: Im April dieses Jahres wird der Hochwasserschutz in Hallein (Tennengau) fertiggestellt, Ende Oktober fällt der Startschuss zum Bau des Schutzprojekts im Zeller Becken, das mit Kosten von 22,2 Millionen Euro zu Buche schlägt. Als letztes Großprojekt im Land ist dann noch der Hochwasserschutz im Gasteinertal (Pongau) ausständig, dazu laufen bereits die Planungen.

Klimawandel verschärft Hochwassersituation

Doch auch Schutzprojekte in der Höhe von zig Millionen Euro werden keine hundertprozentige Sicherheit gewährleisten können. Dass Hochwasserereignisse künftig vermehrt vorkommen können, davon ist auch die in Aigen lebende Alexandra Rettenbacher überzeugt: „Vor 15 Jahren hatten wir ja ein ähnliches Hochwasser. Sonst weiß ich nur von meinem Vater, dass es das letzte Mal im Jahr 1959 ein solches Ereignis gab.“

In Zukunft müssen wir uns aber offenbar vermehrt auf Hochwasser und Überflutungen einstellen. Wie Forscher im Fachblatt „Science“ beschreiben, hat der Klimawandel mitunter starken Einfluss auf die Hochwassersituation in Europa. Mit ihren Erkenntnissen sollen in Zukunft genauere Modelle zur Vorhersage der Hochwassergefahr erstellt werden. Neben den Schutzbauten an sich ist das Wissen über mögliche längerfristige Entwicklungen vor allem für die Landwirtschaft, Infrastruktur oder die Energiegewinnung aus Wasserkraftwerken von großer Bedeutung.

Das verheerende Hochwasser 2013 hat uns die gewaltige Macht der Natur beinhart vor Augen geführt. Die Zeit war geprägt von Ohnmacht, Trauer und Erschöpfung – aber auch einer Welle der Solidarität. Gemeinsam versuchte man nach vorne zu blicken, zusammenzuarbeiten und einander so gut es ging zu unterstützen.

Teamwork spielt auch in unserer Redaktion eine entscheidende Rolle. Ohne den enormen Zusammenhalt, den Respekt voreinander und der gegenseitigen Anerkennung gäbe es SALZBURG24 heute in dieser Form nicht mehr. Wie wichtig diese Dinge sind, zeigte uns auch die Berichterstattung zum Hochwasser in Salzburg sehr deutlich: Beinahe die gesamte damalige Belegschaft hing an besagtem Sonntag von den frühen Morgenstunden bis spät in die Nacht an der Seite. Wir kommunizierten untereinander via Skype und Telefon, während wir selbst von diesen Wassermassen und der Größe des Ereignisses überwältigt waren. Wir versuchten das Ausmaß der Naturkatastrophe einzuordnen, verschafften uns einen Überblick und starteten einen Live-Ticker, der unsere Leser im Minutentakt über die aktuellen Geschehnisse im gesamten Land Salzburg auf dem Laufenden halten sollte. Über den gesamten Tag erreichten uns tausende Bilder, die wir sichteten und danach online stellten. Gleichzeitig waren einige von uns selbst vom Hochwasser betroffen und hatten zuhause mit überfluteten Kellern zu kämpfen. Doch wir halfen zusammen.

Unser gemeinsames Ziel war – und ist es bis heute – die Salzburger zu informieren. So schnell wie möglich, so konkret wie möglich und so multimedial wie möglich. Das Hochwasser von 2013 und viele andere Ereignisse in der Vergangenheit haben das Redaktionsteam in den vergangenen zehn Jahren zusammengeschweißt und zu etwas Einzigartigem werden lassen. Die Macht des Teams liegt in der Unterschiedlichkeit der einzelnen Charaktere.

Das ist das Redaktions-Team von SALZBURG24

Nicole Schuchter

Alter: 35
Kommt aus/wohnt in: Vorarlberg/Mattsee
Bei SALZBURG24 begonnen: im Oktober 2007
Verantwortlich für: Redaktion (Mädchen für alles), Politik, CvD
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Bei SALZBURG24 begonnen: im Oktober 2009
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Stärke: Aufbereiten von nicht ganz alltäglichen Themen
Schwäche: Wenig kreativ beim Titeln

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Verantwortlich für: Redaktionelles und Organisatorisches, Service, CvD
Stärke: schnelle Auffassungsgabe und Genauigkeit
Schwäche: Genauigkeit, die sich manchmal zum für andere anstrengenden Perfektionismus entwickelt

Thomas Pfeifer

Alter: 29
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Bei SALZBURG24 begonnen: im April 2014
Verantwortlich für: Sport, Unterhaltung, CvD
Stärke: ruhigen Kopf bewahren
Schwäche: vieles gleichzeitig machen wollen

Aleksandar Andonov

Alter: 27
Kommt aus/wohnt in: Anif
Bei SALZBURG24 begonnen: im Juni 2014
Verantwortlich für: Sport
Stärke: Der Salzburger Regionalsport
Schwäche: Da ich privat auch regelmäßig online bin, fällt es mir schwer zwischen Beruf und Privatleben zu trennen.

Florian Gann:

Alter: 33
Kommt aus/wohnt in: Lochen am See/Stadt Salzburg
Bei SALZBURG24 begonnen: im August 2014, davor seit 2011 freier Mitarbeiter
Verantwortlich für: Politik, CvD
Stärke: bei Vorstellungsgespräch habe ich wahrscheinlich gesagt: teamfähig, kreativ, motiviert, flexibel, organisationsfähig, stressresistent, kritikfähig.
Schwäche: notorisch wahrheitsflexibel, wenn es um seine Stärken geht.

Jaqueline Winkler

Alter: 23
Kommt aus/wohnt in: Straßwalchen/Stadt Salzburg
Bei SALZBURG24 begonnen: im September 2016
Verantwortlich für: Tipps und Service, CvD
Stärke: Zuhören, offen für Neues
Schwäche: Ungeduld

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