2007 bis 2017: Salzburg in Zahlen In der jahrhundertelangen Geschichte Salzburgs sind zehn Jahre für Chronisten höchstens eine kleine Randnotiz. Doch im letzten Jahrzehnt ist SALZBURG24 erwachsen geworden.

Neumayr

Eine Dekade Wachstum und Veränderung vom Untersberg bis zum Kitzsteinhorn –  von Wohn- und Verkehrsproblemen über die beliebtesten Vornamen der letzten Jahre bis hin zur den Herausforderungen der Zukunft, wir präsentieren euch die spannenden Details.

Auf mehr als 7.000 Quadratkilometern Gesamtfläche verteilen sich 549.263 Menschen (Stichtag 01.01.2017) in 119 Gemeinden und 724 Ortschaften. In den vergangenen zehn Jahren wuchs das Land um 23.215 Einwohner an. Doch es nicht alles Gold, was glänzt: Knapp drei Viertel dieses Bevölkerungszuwachses spielen sich in der Stadt Salzburg, im Flachgau und Tennengau ab. Die eher strukturschwachen Gebirgsgaue stagnieren und leiden unter Abwanderung.

Dafür erlebte das Land im Jahr 2016 einen kleinen Heiratsboom, es wurden insgesamt 3.043 Ehen geschlossen – zehn Jahre zuvor waren es fast 1.000 weniger. In der letzten Dekade erblickten indes jährlich durchschnittlich 5.197 Kinder das Licht der Welt in Salzburg – die häufigsten Vornahmen sind stets Anna und Lukas. Außerdem besinnen sich die Salzburger wieder auf ihren Wurzeln zurück: Vor zehn Jahren waren 28.228 Mitglieder in 332 Heimatvereinen und Brauchtumsgruppen engagiert, und 2015 waren es 360 mit 30.212 Aktiven.

Jedoch werden die Menschen in Salzburg immer älter. „Das haben wir bereits bei der Nationalratswahl beobachtet“, weiß Gernot Phillip. „Und im Gegensatz dazu werden verhältnismäßig weniger Kinder geboren. Diesen Effekt werden wir aber erst in den nächsten Jahren beobachten können“, prognostiziert der Leiter der Salzburger Landesstatistik.

Ausreichend Wohnraum ist größte Herausforderung

Wenn man die Salzburger fragt, was sie so richtig angeht, wird die Antwort mit ziemlicher Sicherheit Wohnen oder Verkehr lauten. Besonders die Landeshauptstadt ist davon betroffen, denn die Bevölkerung wuchs in den letzten zehn Jahren um knapp 3.500 Einwohner an. Klingt eigentlich wenig. Doch bei dem nur begrenzten Wohnraum ist das eine große Herausforderung, dem sich die Politik dringend annehmen muss. Nicht nur fehlende Wohnungen sind ein Problem, die explosionsartige Preisentwicklung am Immobilienmarkt tut ihr Übriges und bereitet den Bürgern berechtigte Sorgen.

Immobilienpreise explodieren

2016 wurden im Land Salzburg Immobilienkaufverträge im Gesamtwert von 2,4 Milliarden Euro abgeschlossen. Diese stark angezogenen Kosten (Anstieg von 21,7 Prozent im Vergleich zu 2015, Anm.) belasten laut Experten vor allem den Mittelstand, für den Eigentum immer schwieriger zu finanzieren sein wird. Alleine im vergangenen Jahr wurden 8.548 Kaufverträge abgeschlossen, innerhalb der letzten drei Jahre verzeichnete man bei den verkauften Immobilien einen Zuwachs von wahnwitzigen 56 Prozent. Ähnlich sieht es in der Landeshauptstadt aus: Hier hat sich der Immobilienwert seit 2013 nahezu verdoppelt – mittlerweile beträgt dieser knapp eine Milliarde Euro, Tendenz steigend. Der Durchschnittspreis eines Quadratmeters Bauland betrug vor zehn Jahren 348 Euro, im Jahr 2014 waren es bereits 788 Euro. „Der Wahnsinn ist, dass die Leute trotz der Preise die Wohnungen kaufen“, sagte Stadtrat Johann Padutsch (Bürgerliste) im März 2017 dem Standard.

Schere zwischen Arm und Reich wird größer

Das Stadtbild könnte vom sozialen Wohnungsbau in Lehen bis zu den Prachtvillen in Aigen oder Parsch nicht unterschiedlicher sein. Die Schere zwischen Eigentum und sozialen Wohnungen wird immer deutlicher. Gegensteuern soll seit 2015 die Salzburger Wohnbauförderung. Nach dem enormen Andrang schmolz das Budget dahin und der Gürtel musste bei einem Förderbudget von 141 Millionen Euro nur ein Jahr später enger geschnallt werden. Im ersten Quartal dieses Jahres wurden nur mehr höchstens 300 Anträge zugelassen, insgesamt sollen heuer 4.100 Förderungen zugelassen werden.

Salzburg im Wandel

Im vergangenen Jahrzehnt hat sich das Stadtbild mancherorts maßgeblich verändert. In Lehen wurden ganze Quartierssiedlungen aus dem Boden gestampft oder generalsaniert, in Itzling wurde gar eine Straße verschoben und in Nonntal blüht heute das schulische und akademische Leben. Johannes Greifeneder, Pressesprecher der Stadt Salzburg, kommt beim Erzählen ins Schwärmen: „Lehen ist mit dem sozialen Wohnbau, der Stadtbibliothek und den Kliniken eine absolute Erfolgsgeschichte der letzten Jahre.“ Hinzu kommt das kulturelle Zentrum rund um den Fotohof. „Damals gab es wegen der außergewöhnlichen Architektur heftige Diskussionen“, erinnert sich Greifeneder. Solche aufwendigen Quartierssanierungen wie in Lehen erwarten in den kommenden Jahren auch die Stadtteile Itzling und Schallmoos.

Beim Spaziergang von Lehen in Richtung Salzach sticht das 2013 eingeweihte Wasserkraftwerk Sohlstufe Lehen mit seiner außergewöhnlichen Architektur ins Auge. Auf dem ehemaligen Gelände der Stadtwerke tummeln sich zudem junge und kreative Startups, die sich die Nachbarschaft mit jungen Familien teilen. Entlang des idyllischen Glanzspitzes geht es in eine der pulsierenden Gegenden Salzburgs, auch wenn es von außen nicht unbedingt nicht den Anschein macht. „In Itzling wurde in den letzten Jahren nicht nur die Schillerstraße im Zuge der Milchhof-Erweiterung verlegt und an die Lokalbahn angebunden“, weiß Stadtsprecher Greifeneder, „das Techno-Z, die Fachhochschule, Universität und Firmen sorgen für reges Leben hinter dem Hauptbahnhof.“

Beispiele für teilweise auch geförderten Mietwohnungsbau aus der jüngeren Vergangenheit finden sich am Land zum Beispiel in Bergheim (Flachgau), Straßwalchen, Hallein (Tennengau), Adnet, Flachau (Pongau), Pfarrwerfen, Hüttschlag und Zederhaus (Lungau). Neu gebaut wird derzeit u.a. in Krimml (Pinzgau), Lofer und Maria Alm. Es fällt auf, dass es insbesondere in gefragten Touristenorten an ausreichend leistbarem Wohnraum fehlt – gekauftes Eigentum ist vielfach gefragter, besonders bei reichen Ausländern.

Überall wird gebaut

Nahezu überall wo das Auge in Salzburg hinschaut, wird gebaut. Dabei sind nach geltendem Stadtrecht 50 Prozent der Grünflächen geschützt und dürfen überhaupt gar nicht bebaut werden. Im gesamten Land sind lediglich knapp 1.500 Quadratkilometer – das entspricht rund einem Fünftel der Fläche Salzburgs – als Dauersiedlungsraum und somit für Landwirtschaft, Siedlungen und Verkehrsanlagen verfügbar. Freie Flächen, wie kaum ausgelastete Parkplätze, müssen künftig effektiver genutzt werden, meint Greifeneder, der sich seit Anfang der 90er-Jahre um die Außendarstellung der Landeshauptstadt kümmert. Ein kleiner Anfang sei das neue Parkhaus am Landeskrankenhaus, was die Verkehrssituation rund um die Innenstadt zumindest etwas entschärft.

Salzburgs Verkehr – eine Never-Ending-Horror-Story?

Wer jemals auf den Straßen der Landeshauptstadt unterwegs war, kann ein Lied davon singen: Baustellen, Schlechtwettersperren und massive Zeitverzögerungen. Autofahren in der Mozartstadt macht nur bedingt Spaß. Die wohl meist kontrovers diskutierte Veränderung war in den vergangenen zehn Jahren der mittlerweile berühmt berüchtigte Autobahn-80er, für den nur wenige Verständnis zeigen.

Auf der anderen Seite gibt es aber auch Lichtblicke, wie die Erfolgsgeschichte der S-Bahn und Lokalbahn. Vom Salzburger Stadtzentrum geht es komfortabel und schnell bis nach Golling (Tennengau), Straßwalchen und Freilassing (Bayern). Ende 2014 ging zudem der neue Streckenabschnitt bis Ostermiething (OÖ) ans Netz. Im gleichen Jahr wurde auch der generalsanierte Salzburger Hauptbahnhof eröffnet, den der VCÖ 2016 zum schönsten Bahnhof Österreichs kürte. Auch der Flughafen, das kleine Schmuckstück am Fuße des Untersbergs, unterstreicht seine Bedeutung für Salzburg und die angrenzenden Länder – 2016 lag das Passagieraufkommen bei über 1,7 Millionen Personen.

Die Ideen für ein verkehrsfreundliches Salzburg sind vielfältig – von Wunschträumerei bis hin zu tatsächlich realistischen Möglichkeiten, um den Verkehrs-Horror in Salzburg in den Griff zu bekommen. Immerhin: Im aktuellen Bürgermeisterwahlkampf der Landeshauptstadt wurde das Thema plötzlich wieder heiß – alle Kandidaten hätten sich auf einen Pakt geeinigt, die Stadtregionalbahn tatsächlich zu realisieren.

Uns geht’s doch gut, oder?

Warum auch nicht? Geld sollte ausreichend vorhanden sein, denn auf dem Papier geht es den Salzburgern grundsätzlich gut. Im österreichweiten Vergleich herrscht hier die niedrigste Arbeitslosenquote. Rund um die Landeshauptstadt mitsamt den Innergebirgsgauen wächst die Wirtschaft und weitere Arbeitsplätze entstehen. Doch in den Jahren von 1995 bis 2013 sind 60 Prozent der neuen Arbeitsplätze nördlich des Pass Luegs entstanden und lediglich 40 Prozent im Pongau, Pinzgau und Lungau. Eine Studie der Fachhochschule Salzburg moniert dabei, dass es seit der Jahrtausendwende real keine Einkommenszuwächse gegeben habe und das Land bei den durchschnittlichen Einkommen im Bundesländervergleich an vorletzter Stelle liege.

Dennoch ist und bleibt Salzburg eine der weltweit lebenswertesten und sichersten Gegenden – auch wenn die Kriminalstatistik in jüngster Vergangenheit ein markantes Plus verzeichnete.

Sowohl im nationalen als auch internationalen Vergleich schneidet Salzburg in der Lebensqualität sehr gut ab. Die meisten Gäste schwärmen sowieso. Dennoch scheint die Wahrnehmung verschoben zu sein: Laut einer aktuellen Studie der Fachhochschule Salzburg blicken 84 Prozent der Salzburger pessimistisch in die Zukunft und befürchten in den nächsten 15 Jahren ein Sinken ihres Lebensstandards.

Ist das Jammern auf hohem Niveau oder sind es schrillende Alarmglocken, weil trotz rasanter Entwicklung und Wohlstand nicht nur einige Wenige auf der Strecke bleiben?

Auf den heutigen Tag genau vor zehn Jahren ging SALZBURG24 online und ist seitdem über die Webadresse www.salzburg24.at abrufbar. Die Idee und den Mut für das erste reine Online-Nachrichtenportal in Salzburg kam aus der Innovationsschmiede des Vorarlberger Medienhauses, heute unter dem Namen Russmedia bekannt. Die Gründung des Newsportals, das die Leser mit einem Mix aus regionaler Live-Berichterstattung, nationalen und internationalen Nachrichten, Sport, einer Community-Plattform für die Salzburger, Kleinanzeigen und Freizeittipps überzeugen sollte, schien damals nach der erfolgreichen Etablierung von VOL.at und Vienna.at die logische Konsequenz. „Wir wollen in drei Jahren Marktführer in Salzburg sein und Gewinne erzielen“, lautete 2007 das ambitionierte Ziel. Doch die Macher wurden bald eines Besseren belehrt – Salzburg ist eben anders.

Mit einer, im Vergleich zu heute, riesigen Mannschaft siedelte man sich in der Innsbrucker Bundesstraße 71 in der Landeshauptstadt an. Der Kern der Redaktion bestand aus 15 Mitarbeitern und wurde vom damaligen Chefredakteur Stefan Tschandl aufgebaut und geleitet. Ich war eine davon. Fünf mobile Reporter, sogenannte Mojos, wurden mit Foto- und Videokameras, Stativen, Laptops und gelborangen Mini-Autos (mit Flosse am Dach (!) – wem das eingefallen ist, weiß ich bis heute nicht) ausgestattet. Unterwegs im gesamten Land Salzburg flitzten wir an den Ort des Geschehens und stellten innerhalb von wenigen Minuten unsere Berichte samt Fotos und Videos ins Netz. Was heute durch Facebook und Co. für jeden selbstverständlich ist, war damals eine Innovation. Das war neu, das war anders – das waren wir.

Rückblickend dauerte es etwa drei Jahre, bis sich SAZBURG24 etabliert hatte und in der regionalen Medienszene akzeptiert wurde. Von der erhofften Marktführerschaft in Salzburg war man aber weit entfernt, das 2007 definierte Ziel sollte nicht erreicht werden. Und so folgten interne Strukturänderungen, Geschäftsführerwechsel und sukzessiver Personalabbau. Während Mojos und gelbe Minis schwanden, schrumpfte die Redaktion, deren Verantwortung ich im Dezember 2009 übernommen hatte, auf einen Minimalstand von vier Mitarbeitern. Das Büro wurde gewechselt, die Strategie geändert und neue Inhalte definiert. Trotz des kleinen Teams, viel Improvisation und manchmal schon fast guerillaähnlichen Aktionen versuchten wir unsere Leser täglich von der Früh bis am Abend mit den neuesten und aktuellsten News aus Salzburg – von Politik über Chronik, Sport und Events – zu informieren. „Einfach die Schnellsten“ lautete unser Motto damals und ist es noch heute. In einer Zeit, in der unsere Geschäftsführer in Vorarlberg bzw. Wien saßen, die Redaktion im Zentrum Herrnau völlig autark agierte, vieles – auch die Zukunft von SALZBURG24 – ungewiss war, stiegen die Zugriffszahlen auf das Portal kontinuierlich an. Die Salzburger entdeckten S24 mehr und mehr als schnelle, lockere Informationsquelle, als Überblicksmedium für den Tag und blieben uns treu – die meisten davon bis heute.

Am 14. August 2012, also vor etwas mehr als fünf Jahren, verkaufte das Vorarlberger Medienhaus SALZBURG24 an die Salzburger Nachrichten (SN). Alle Mitarbeiter von Redaktion und Verkauf wurden übernommen. Mit dem Portal startete die SN eine Zweimarken-Strategie im regionalen Digitalgeschäft und für SALZBURG24 taten sich plötzlich neue Wege und Möglichkeiten auf. Die Mutter investierte, bildete unter dem Namen „Salzburg Digital“ eine eigene GmbH, in die das neue Medium eingegliedert wurde und ein neues Zuhause fand. Heute sitzt die Redaktion in der Karolingerstraße an der Kreuzung zur Innsbrucker Bundesstraße – und somit unweit unserer ersten Räumlichkeiten, zählt sieben langjährige Mitarbeiter, ein großartiges Party-Fotografen-Team und blickt auf eine teils sehr turbulente Zeit zurück, die hoffentlich genauso turbulent weitergeht. Denn nur Veränderung bringt Fortschritt.

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